Besondere Gangarten

 

Die besonderen Gangarten sind nicht bei allen Rassen anzutreffen. Meist sind diese Gangarten genetisch festgelegt. Ein Erlernen des Passgangs ist zwar für viele Pferde möglich, aber solche mit der genetischen Anlage dazu tun sich sehr viel leichter dabei. Ein Pferd hat maximal fünf Gangarten.

Tölt

Islandpferd im Tölt
Islandpferd im Tölt

Der Tölt ist eine Spezialgangart, die für den Reiter besonders angenehm und rückenschonend ist. Im Gegensatz zu Trab und Galopp hat Tölt keine Schwebephase, sondern ist eine gelaufene Gangart. Der Reiter sitzt fast erschütterungslos auf einem locker schwingenden Rücken. Tölt hat, abhängig von der Ganglage und Ausbildung des Pferdes, eine hohe Tempovarianz zwischen Schritt- und Galopptempo.

Die Fußfolge von Tölt ist dieselbe wie die des Schrittes: hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts.

Der Tölt und der Schritt sind Gangarten im Viertakt mit acht Phasen. Anders als beim Schritt wechseln sich im Tölt jedoch Ein- und Zweibeinstützen ab. Die Phasenfolge des Tölts ist daher, beginnend in einer diagonalen Zweibeinstützphase hinten rechts und vorne links:

  1. links vorne fußt ab - Einbeinstütze hinten rechts
  2. rechts vorne fußt auf - laterale Zweibeinstütze
  3. rechts hinten fußt ab - Einbeinstütze vorne rechts
  4. links hinten fußt auf - diagonale Zweibeinstütze
  5. rechts vorne fußt ab - Einbeinstütze hinten links
  6. links vorne fußt auf - laterale Zweibeinstütze
  7. links hinten fußt ab - Einbeinstütze vorne links
  8. rechts hinten fußt auf - diagonale Zweibeinstütze

Ursprünglich hatten wohl alle europäischen Pferderassen eine genetische Veranlagung für den Tölt. Töltende Pferde wurden im Mittelalter auch als Zelter bezeichnet. Mit dem Aufkommen der Kutschfahrerei wurden bequeme Reitpferde unwichtig und reiten unmodern. Da Tölt keine Sprungphase hat und daher im Zug keine einem trabenden Pferd adäquate Leistung erbracht werden kann, stellte sich die Pferdezucht auf Traber um. Durch die Erfindung und Verbreitung des Automobils gab es eine lange Phase der Stagnation in der Reitpferdezucht, die Gebrauchsreiterei starb. Der Pferdebestand war durch die Weltkriege stark dezimiert worden. Ausgehend von der klassischen, oft militärischen Reiterei gab es in Deutschland im Wesentlichen nur noch eine kleine elitäre Minderheit von Dressur- und Springreitern.

Erst mit der Entwicklung der Freizeitreiterei und der starken Verbreitung der Islandpferde nach dem Zweiten Weltkrieg (u. a. auch durch das Engagement von Ursula Bruns, Autorin der Immenhof-Geschichten) auch und gerade in Deutschland wurden der Tölt und das Gangpferdereiten populär. Werblich "auf dem Rücken der Islandpferde" wurden auch viele andere Gangpferderassen nach Deutschland importiert und werden inzwischen hier gezüchtet, z. B. Peruanische Pasos und Paso Finos, Aegidienberger, American Saddlebreds, Berber und Töltende Traber. Es gibt immer mehr spezielle Gangpferdeturniere für Islandpferde und weitere töltende Rassen, ausgetragen in erster Linie vom Islandpferde Reiter- und Züchterverband (IPZV) und der Internationalen Gangpferdevereinigung (IGV).

Es gibt durchaus Verschiebungen in der Fußfolge. So kommt es, dass nicht jedes Pferd töltet. Von Paßtölter bis zum Trabtölter ist alles vertreten.

Beim Paso Peruano wird der Tölt auch als Paso Llano bezeichnet, beim Paso Fino als Paso.

Rack

Der Rack ist eigentlich ein Tölt. Wie beim Slow Gait (siehe oben) soll das Pferd auch hier zur Kadenzierung kurze Stopps in die Bewegung einbauen.

Walk

Running Walk
Running Walk

Der Walk ist die Gangart des Tennessee Walking Horse. Sie ähnelt dem Tölt. Im Gegensatz zu diesem sind beim Walk allerdings immer drei Hufe am Boden, was nochmals höhere Gangsicherheit ergibt. Der Walk ist ein Viertakt mit Kopfnicken und Zähneklicken.

Marcha

Der Marcha ist die bevorzugte Bewegungsart des brasilianischen Mangalarga Marchador. Er ist ein dem Tölt verwandter langsamer bis mittelschneller Viertakt, bei dem immer mindestens ein Bein am Boden ist. Erklärtes Zuchtziel ist es, eine Gangart zu erreichen, bei der die Einbeinstütze wegfällt und das Pferd immer mit mindestens zwei Hufen Bodenkontakt hat.

Pass

Rennpass (nicht nur bei Isländern) - Animation aus Fotos von Muybridge
Rennpass (nicht nur bei Isländern) - Animation aus Fotos von Muybridge

Beim Pass handelt es sich um eine laterale Gangart im Zweitakt in zwei Phasen, bei dem die gleichseitigen Beinpaare abwechselnd auffußen. Das Pferd fällt dabei von einer Lateralen auf die andere. Ruhiger Passgang kann als Ganglage bei Gangpferdearten auftreten. Diese Form von Pass kann jedoch auch bei Dreigängigen Pferden auftreten, wenn ein Pferd stark verritten und aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Pass ist in dieser Form bei jedem Pferd absolut unerwünscht. Wird ein Pferd im Pass geritten, wird es immer steifer, da es sich in dieser Gangart kaum biegen kann. Dies führt langfristig zu schweren Verspannungen und Schäden.

Rennpass

Eine Variation von Pass ist der Rennpass beim Islandpferd, der w. o. jedoch im Renntempo und mit Flugphase geritten wird. Die schnellsten Isländer können eine Geschwindigkeit von 45 km/h entwickeln. Da diese Gangart für das Pferd sehr anstrengend ist, reitet man sie nur auf kurzen Strecken und nicht zu oft. Das Reiten im Rennpass sollte nur von erfahrenen Reitern oder mit einem Trainer durchgeführt werden.

Schweinepass

Als Schweinepass bezeichnet man den vollständig zum Pass hin verschobenen Tölt. Häufig entsteht er durch Verspannungen und/oder falsches Reiten. Schweinepass ist unerwünscht und führt zum Aufbau von Muskelgruppen, die das Laufen über den Rücken behindern. Mit Gangmanipulation (schweren Beschlägen, Gewichten, Glocken etc.) und sinnvoller Dressurarbeit kann man den Pass korrigieren.

Foxtrott

Der Foxtrott ist eine Spezial-Gangart des Missouri Foxtrotters, in der das Pferd vorne schreitet und hinten trabt. Die Gangart ist sehr sicher und verhindert relativ gut sowohl eine frühe Ermüdung des Pferdes als auch eine Weitergabe von Bewegungen an den Reiter.

Geschwindigkeiten

Gangart Arbeitstempo in m/min Versammeltes Tempo in m/min Mitteltempo in m/min
Schritt 100 (= 6 km/h) 60 (= 3,6 km/h) 120 (= 7,2 km/h)
Trab 205 (= 12,3 km/h) 100 (= 6 km/h) 300 (= 18 km/h)
Galopp 288 (= 17,3 km/h) 200 (= 12 km/h) 450 (= 27 km/h)

ungefähre Angaben



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